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2.2 Schliffbeschreibungen 2.2.1 Schliff 131 ( Kernschiefer ) Der Schliff ist senkrecht zu S2 geschnitten. Es sind die Phasen Granat, Biotit, Hellglimmer, Plagioklas, Chlorit, Disthen, Staurolith, Rutil, Ilmenit, Quarz und Turmalin enthalten. Das gesamte Gefüge ist parallel zu S2 rekristallisiert. Die Granate bestehen aus zwei Generationen. Die erste Generation bildet den Kern, der neben größeren Einschlüssen auch sehr kleine Einschlüsse enthält, bei denen es sich um Quarzkörner handelt . Im Übergangsbereich zur zweiten Generation nimmt die Zahl der sehr kleinen Einschlüsse ab, um jedoch im direkten Übergang zur 2. Generation wieder leicht zuzunehmen (siehe Abb. 2-3). Der Rand des Granates bildet die zweite Generation, die häufig auf Kosten von Biotit entsteht und diesen überwächst. Im äußersten Randbereich der zweiten Generation sind wiederum sehr kleine Einschlüsse enthalten, die jedoch auch bei größter Vergrößerung nur als dunkle Punkte zu erkennen sind. Bei den größeren Einschlüssen, die generell im ganzen Granat vorkommen, handelt es sich um Quarz, Hellglimmer, Biotit, Ilmenit, Rutil, Graphit und im Einzelfall auch um Epidot. Die idioblastische Form der Granate ist bei allen Individuen im Schliff zu erkennen. Durch retrograden Abbau zu Chlorit wird diese idioblastische Form jedoch häufig zerstört, zurück bleiben xenomorphe Mineralkörner. Die Größe der Granate liegt im Bereich von 0.3 bis 0.8 mm.
Abb. 2-3: Zeichnung eines Granates im Schliff 131. Der innere Kernbereich ist reich an kleinen Einschlüssen, bei denen es sich hauptsächlich um Quarz handelt. Die Zahl der Einschlüsse im inneren Kern nimmt nach außen hin ab. Im direkten Übergangsbereich von der 1. zur 2. Granatgeneration nimmt die Zahl der kleinen Einschlüsse wieder leicht zu. Die Einregelung dieser Einschlüsse, bei denen es sich um Graphit handelt, folgt dabei den idioblastischen Grenzen zwischen der 1. und der 2. Generation. Diese Einschlüsse liegen noch innerhalb der 1. Generation. Innerhalb der 1. Generation befinden sich im linken Teil zwei etwas größere Glimmereinschlüsse, bei denen es sich um Biotit handelt. Der innere Bereich der 2. Generation beinhaltet nur wenige große Einschlüsse, nämlich Biotit, Hellglimmer und Rutil. Am äußeren Rand der 2. Generation nimmt die Zahl der kleinen Einschlüsse wieder zu, auch hier folgt die Einregelung der Einschlüsse den äußeren, idioblastischen Korngrenzen. Bei diesen Einschlüssen handelt es sich ebenfalls um Graphit.
Biotit ist mit seinen (001)-Flächen parallel zu S2 eingeregelt. Die braunen Mineralkörner besitzen eine blättrige Struktur, die häufig in eine spindelförmige übergehen kann, da die Biotit-Porphyroblasten S2-parallel geschert wurden. Im Schliff existieren auch zahlreiche Querbiotite, die wie die eingeregelten Biotite rekristallisiert sind. Die eingeregelten Biotite sind häufig mit Hellglimmern verwachsen. Die Größe der Biotit-Minerale kann bis zu 4 mm betragen.
Hellglimmer ist ebenfalls wie Biotit häufig zu S2 eingeregelt, erreicht jedoch nicht dessen Aggregatgröße. Die Mineralkörner sind wie bereits erwähnt mit Biotit verwachsen, wobei die Spaltbarkeit der Hellglimmer generell der des Biotits folgt. Die Größe der Hellglimmer liegt zwischen 0.1 bis maximal 1 mm. In Plagioklas-Porphyroblasten sind die Hellglimmer als Einschlüsse enthalten und sind dann in Richtung der Plagioklas-Spaltbarkeiten eingeregelt. Die Hellglimmer können jedoch auch regellos zwischen einzelnen Quarz-Mineralkörnern auftreten, die als Quarzbänder parallel zu S2 eingeregelt sind.
Plagioklase kommen als bis zu 2 mm große Porphyroblasten vor, ihre Größe kann aber auch nur knapp über 0.1 mm liegen, wobei die Mineralkörner dann häufig im Polygonalgefüge der Quarzbänder liegen. Bei einigen Plagioklas-Mineralen ist eine deutliche Verzwilligung nach dem Albit-Gesetz zu erkennen. Die Minerale sind parallel zu S2 orientiert und häufig rekristallisiert.
Chlorit kommt in dem Gestein als retrograde Phase vor und entsteht hierbei durch den Abbau von Granat, Kyanit und Staurolith . In den Granaten bildet der Chlorit ungeregelte, strahlige Nester. Die Granate liege dann in xenomorpher Form vor.
Staurolith ist parallel zu S2 eingeregelt und überwächst häufig Quarz- und Hellglimmer-Kristalle. Manche Mineralkörner zeigen einen grünschieferfaziellen Abbau zu Chlorit, die Größe der Minerale kann bis zu 1.6 mm betragen.
Kyanit ist ebenfalls zu S2 orientiert und besitzt Quarz-, Rutil- und Ilmenit-Einschlüsse. Die Mineralkörner werden bis zu 1.5 mm groß. An einigen Individuen wächst Chlorit in Form von Brücken in das Mineralkorn. Weitere Phasen im Schliff sind Rutil und Ilmenit, wobei sich Ilmenit aus dem Abbau von Rutil bildet und diesen ummantelt. Dadurch entstehen häufig zusammenhängende Rutil-Ilmenit-Aggregate.
Turmalin kommt als einzelnes Mineralkorn vor, seine Länge beträgt ca 1.6 mm, die Orientierung des Minerals liegt parallel zu S2.
2.2.2 Schliff 129 ( Kernschiefer ) S2 wird im Gestein deutlich durch S3-Scherbänder der D3-Extension überprägt.
Granate erreichen Größen zwischen 1 mm und 2 mm. Die Minerale weisen optisch keine erkennbare Zonierung auf. Die Mineralflächen sind teilweise durch retrograde Umwandlung in Chlorit stark angegriffen, so daß die ursprüngliche idioblastische Form nicht erhalten geblieben ist. Es bilden sich Chloritpseudomorphosen nach Granat. Serizit kann ebenfalls aus Granat entstehen. Diese Umwandlung zu Hellglimmer zeigen einige Granate an ihren Rändern. Die Ränder der Granate überwachsen häufig Biotit. Als Einschlüsse existieren in den Granaten Quarz, Ilmenit und Rutil, deren Größe jedoch meistens unter 0.1 mm liegt. Auffällig ist, daß die Granate innerhalb von Sigmoidalkörpern liegen, die durch die Zerscherung von S2 durch die D3-Extension entstanden.
Biotit liegt in brauner Eigenfarbe vor und ist parallel zu S2 orientiert. Durch die D3-Extension wird er in Richtung S3 geregelt. Stellenweise ist Biotit mit Hellglimmer verwachsen, der dann die gleiche Ausrichtung der Basisflächen aufweist. Die Größe dieser Mineral-Aggregate kann bis zu 4 mm betragen.
Hellglimmer ist in Richtung S3 eingeregelt und häufig mit Biotit verwachsen. Die Größe der Mineralkörner beträgt bis zu 2 mm. Als Einschlüsse enthalten die Hellglimmer häufig Ilmenit.
Plagioklase finden sich einerseits als bis zu 2 mm große Porphyroblasten, andererseits finden sich auch kleinere Minerale in der Matrix. Die Plagioklas-Porphyroblasten liegen innerhalb der durch D2 und D3 gebildeten Sigmoidalkörper, somit sind sie prä-S3 entstanden und werden von D3 deformiert. Die Porphyroblasten sind häufig zwischen Hellglimmersträhnen rekristallisiert.
Chlorit entsteht durch retrograden Abbau von Granat. Es entstehen auch in diesem Schliff Chlorit-Pseudomorphosen nach Granat.
Staurolith findet sich in dem Schliff nur sehr spärlich. Die Mineralkörner sind meist nicht größer als 0.2 mm. Als weitere Akzessorien finden sich in dem Schliff Ilmenit, Rutil und Klinozoisit.
Quarz ist in dem Schliff häufig und liegt dann in Form von Quarzbändern parallel zu S2 geregelten Glimmersträhnen vor, die beide durch D3 sigmoidal verformt wurden. Quarz ist innerhalb dieser Domänen polygonal rekristallisiert.
2.2.3 Schliff 148 ( Kernschiefer ) Analog zu Schliff 129 ist auch hier die S2-Foliation durch die S3-Scherbänder überprägt. Es bilden sich Sigmoidalkörper, die durch die Zerscherung von großen Plagioklas-Porphyroblasten entstehen.
Granate sind in dem Schliff recht klein und liegen in der Größenordnung von 0.4 mm. Die idioblastische Form der Granate ist noch gut zu erkennen, wenn auch viele Individuen insbesondere an den Rändern skelettäres Wachstum zeigen, da sie auf Kosten von Biotit gewachsen sind. Als Einschlüsse findet sich Quarz und Ilmenit, deren Größe jedoch nur bei ca 40 m m liegt.
Biotit kommt einerseits in braunen, maximal 2 mm langen, leistenförmigen Aggregaten vor, wobei die Basisflächen in Richtung des S2-Gefüges liegen, anderseits sind auch Querbiotite zu beobachten, die eine hellere Eigenfarbe aufweisen und quer zum Gefüge rekristallisiert sind. Analog zum Schliff 129 werden die Biotite durch die D3-Extension sigmoidal ausgelängt (Bildung von Glimmerfischen).
Hellglimmer ist analog zum Schliff 129 ebenfalls häufig mit S2 eingeregeltem Biotit verwachsen. Hellglimmer liegen jedoch auch als eigenständige Aggregate vor, in ihrer Orientierung ebenfalls durch S3 bzw. S2 geprägt. Um die Plagioklas-Porphyroblasten sind Hellglimmersträhnen zu beobachten, wobei die Plagioklase innerhalb dieser Domänen rekristallisiert sind.
Plagioklas existiert in Form von großen Porphyroblasten die eine Größe bis zu 4 mm erreichen können. Die Aggregate enthalten viele Einschlüsse in Form von groben Quarzkörnern, mitunter auch Hellglimmern, die sie überwachsen haben. Die Porphyroblasten sind gut durch das gleichzeitige Auslöschen einer gemeinsamen Fläche zu erkennen, in der Quarzkörner mengenmäßig zu 50 % auftreten Die Quarzkörner sind in Richtung S2 orientiert. Als weitere Phasen befinden sich in dem Schliff Ilmenit, Chlorit und Turmalin, der durch D3 deformiert wurde.
2.2.4 Schliff 50 ( Kernschiefer ) Im Schliff 50 ist nur die Struktur von S2 zu erkennen, die D3-Extension hat hier keine Foliation hinterlassen. Vor allem Biotit und Quarzbänder sind in Richtung S2 eingeregelt.
Granat ist meistens idioblastisch ausgeprägt, die Größe der Mineralkörner liegt zwischen 0.4 und 1.2 mm. Einschlüsse finden sich in Form von Quarz, Hellglimmer, Biotit und Ilmenit. Die Zonierung der Granate besteht aus einem Kern mit einem hohen Gehalt an Einschlüssen, der sich gegen einen Randbereich absetzt, der wenige Einschlüsse enthält. Die Randbereiche sind häufig skelettär ausgeprägt, wobei Granat Biotit überwächst, welcher abgebaut wird. Diese Randbereiche schneiden häufig Biotitsträhnen ab. Einige Granate zeigen auch komplett skelettäres Wachstum auf Kosten von Biotit.
Biotit liegt als braune Phase vor und ist in Richtung S2 eingeregelt. Partiell ist er mit Hellglimmer verwachsen, der dann die gleiche Orientierung der Basisflächen zeigt.
Hellglimmer zeigt außer der Verwachsung mit Biotit auch die Existenz einzelner, selbstständiger Phasen in der Matrix.
Plagioklase liegen nur als relativ kleine Phasen vor, die ca 0.2 mm Größe erreichen und parallel zur Foliation liegen Größere Bereiche des Schliffes werden von Quarzbändern eingenommen, die in Richtung des S2 orientiert sind und ein Polygonalgefüge aufweisen.
Ilmenit befindet sich einerseits in der Matrix, andererseits liegt er als Einschlußphase in den Granaten vor.
2.2.5 Schliff 88 ( Kernschiefer ) Das Gestein zeigt deutlich S2 jedoch nicht die Foliation die durch D3-Extension entstandene S3. Granat ist stark retrograd in Chlorit abgebaut worden, teilweise auch serizitisiert. Die Granate erreichen Größen zwischen 1 und 2 mm. Die Mineralkörner besitzen als Einschlüsse Quarz, Biotit, Hellglimmer und Ilmenit. Zwei Individuen zeigen deutlich ein helizitisches Gefüge und sind somit während des Wachstums rotiert worden. Teilweise zeigen die Granate starken Abbau zu Chlorit, die Pseudomorphosen nach Granat bilden. Einige Granate sind stark serizitisiert.
Biotit zeigt braune Eigenfarbe, seine Spaltbarkeit ist in Richtung S2 eingeregelt. Eine Ausnahme bilden hierbei die Querbiotite, die innerhalb der Granate oder an deren Kristallflächen rekristallisiert sind. Die Größe der während der D2-Deformation entstandenen Mineralphasen kann bis 3.2 mm betragen. Das Vorkommen von Querbiotiten bedeutet letztlich, daß auch die anderen Biotite nur scheinbar geregelt sind und somit "abbildend" parallel zu S2 rekristallisierten Bei den Biotiten ist analog zu den anderen Schliffen ein Verwachsen mit Hellglimmer typisch.
Hellglimmer treten jedoch auch als eigenständige Phasen auf, wobei die Aggregatgrößen bis zu 5 mm betragen können. Die Spaltbarkeiten der Hellglimmer sind analog zu Biotit ebenfalls parallel zu S2 orientiert. Eine Ausnahme bilden hierbei die Mineralkörner die als Einschlüsse in den Granaten vorkommen und rekristallisiert sind. Die Größe der Plagioklase liegt im Bereich von bis zu maximal 0.56 mm. Sie sind somit deutlich kleiner als die Granate. Verzwilligung nach dem Albit-Gesetz sind in den Plagioklasen selten zu erkennen. Wie bereits erwähnt tritt Chlorit als Abbauphase in Form von strahligen Nestern in Granat auf und bildet Pseudomorphosen nach Granat.
Quarzaggregate werden aus Einzelkörnern mit Polygonalgefüge gebildet, die undulöse Auslöschung aufweisen. Die Quarzaggregate bilden dabei Quarzbänder die in Richtung der S2-Foliation liegen.
Staurolith besitzt einen skelettären Habitus und Einschlüsse aus groben Quarzkristallen und Ilmenit, was auf ein schnelles Wachstum bei hohen Temperaturen hinweist. Die bis zu 5 mm langen Mineralkörner zeigen mitunter eine Serizitisierung.
Kyanit erreicht ebenfalls Größen bis zu 5 mm. Die Orientierung einiger Mineralkörner die nicht parallel zu S2 liegen zeigen syn- bis postkinematisches Wachstum zu D2 an. Auch der Kyanit zeigt teilweise Serizitisierung, wobei bei einem Mineralkorn nur noch Inseln zurückgeblieben sind. Bei einem anderen Individuum ist ein retrograder Abbau zu Kaolinit festzustellen, der bei Temperaturen unter 200°C stattfand. Als weitere Phasen finden sich im Schliff Rutil und Ilmenit, wobei Ilmenit als Einschlußphase in den Granaten vorkommt.
2.2.6 Schliff 57 ( Birgi Metagranit ) Bei dem Schliff 57 handelt es sich um einen metamorphen Granit, der ursprünglich aus den Phasen Kalifeldspat, Plagioklas, Quarz, Biotit und Hellglimmer bestand. Die Mineralphasen zeigen keinerlei Einregelung, was für magmatische Gesteine typisch ist. Weder D2 noch D3 haben eine Foliation hinterlassen. Die Metamorphose, die der Granit durchschritten hat, zeigt sich in dem Abbau von Biotit zu Granat. Dessen Bildung erfolgte einerseits koronar an den Biotiträndern, andererseits können Granate jedoch auch direkt im Zentrum von Biotitkristallen entstehen. Die Granate weisen zum größten Teil einen skelettären Habitus auf, bei einigen Mineralkörnern sind jedoch auch gerade, also idioblastische Korngrenzen zu erkennen. Als Einschlüsse sind zum Teil Biotitinseln erhalten geblieben. Neben den großen magmatischen Hellglimmern findet an den Rändern der Biotite eine Umwandlung zu Hellglimmer statt. In den Kalifeldspäten sind ebenfalls Hellglimmer als Einschlüsse enthalten. Die Glimmer sind dabei parallel zu den Spaltbarkeiten der Feldspäte eingeregelt. Weiterhin ist an einigen Plagioklasen eine Serizitisierung zu erkennen.
2.2.7 Schliff 58 ( migmatitischer pelitischer Gneis ) Bei dem Gestein handelt es sich um einen migmatitischen Gneis. Wie bei den Kernschiefern liegen hier hauptsächlich die Mineralphasen Granat, Biotit, Hellglimmer, Plagioklas und Quarz vor. Anstatt Kyanit taucht jetzt jedoch Sillimanit auf, was für höhere Bildungstemperaturen spricht. Staurolith existiert in dem Schliff nicht.
Granate liegen in ausgeprägtem skelettärem Habitus vor, was auf ein schnelles Wachstum der Minerale hinweist. Die Granate sind auf Kosten von Biotit entstanden, zum Teil sind die Biotite als Inseln in den Granaten eingeschlossen. Als weitere Einschlüsse finden sich in den Granaten teilweise grobe Quarzkristalle, Rutil und Ilmenit. Eine Zonierung innerhalb der Granatphasen ist optisch nicht zu erkennen. Die Granate werden zum Teil sehr groß. Einige Individuen weisen Größen bis zu 5 mm auf. Der Biotit besitzt eine braune Eigenfarbe, die meisten Aggregate weisen eine einheitliche Einregelung der Spaltbarkeiten auf. Weiterhin existiert jedoch auch eine beträchtliche Anzahl von rekristallisierten Querbiotiten. Zwischen den Biotit-Aggregaten findet sich der für den Schliff typische faserige fibrolithische Sillimanit. Der Fibrolith liegt in Strähnen angeordnet parallel zu den (001)-Flächen des Biotits und entstand bei Druck- und Temperaturzunahme auf Kosten von Biotit. Biotit und Fibrolith werden durch einen feinen Quarzsaum voneinander getrennt.
Plagioklase liegen innerhalb polygonaler Quarzpflaster und zwischen den ausgedehnten Biotitsträhnen. Die (001)-Flächen der einzelnen Individuen zeigen dabei keine einheitliche Einregelung. Bei einigen Exemplaren ist eine deutliche Verzwilligung nach dem Albit-Gesetz zu erkennen. Der Bestand an Hellglimmern ist in dem Schliff außerordentlich gering. Für die Mikrosondenanalyse habe ich insgesamt nur 3 Mineralkörner gefunden. Ein Individuum befand sich als Einschluß in einem Granat, die beiden anderen Individuen waren Matrixminerale. Als weitere Akzessorien finden sich in dem Schliff zusätzlich Rutil und Ilmenit.
2.2.8 Schliff 60 ( migmatitischer pelitischer Gneis ) Der Schliff 60 stammt ebenfalls aus der Sillimanit-Zone. Wie in Schliff 58 liegt hier der Sillimanit als faseriger Fibrolith vor. Eine Einregelung der Mineralphasen zeigen vor allem die Glimmer, sowie die aus Einzelkörnern zusammengesetzten Quarzaggregate mit Polygonalgefüge, die in dem Schliff ausgedehnte Quarzbänder bilden. Die Granate weisen im Schliff 60 einen skelettären Habitus auf. Die Minerale sind auf Kosten von Biotit entstanden, als Einschlüsse enthalten sie Ilmenit, Quarz, Fibrolith und Biotitinseln. Bei zwei Individuen ist ein deutlich idioblastischer Kern (Grt 1) zu erkennen, der von einem skelettärem Saum (Grt 2) überwachsen wird. Auch in diesen Mineralkörnern sind im idioblastischen Kernbereich Quarz, Ilmenit und Fibrolith als Einschlüsse enthalten. Die Einschlüsse zeigen dabei eine Einregelung die einen Winkel von 45° zu S2 einschließt, ein Zeichen dafür, daß die Granate während des Wachstums rotiert wurden. Parallel zu S2 sind in den Granaten Druckschatten entstanden, in denen die Phasen Biotit, Hellglimmer, Plagioklas, Fibrolith und Quarz enthalten sind. Die Größe der Granate kann bis zu 4 mm betragen.
Biotit liegt in brauner Eigenfarbe vor und ist in ausgedehnten Bereichen mit fibrolithischem Sillimanit verwachsen und wird teilweise von ihm verdrängt. Die Länge der blättrigen Biotit-Aggregate beträgt bis zu 2 mm, (001) liegt generell parallel zur Foliation
Hellglimmer ist häufig mit Biotit verwachsen, sein Vorkommen ist jedoch nicht so häufig. Die Größe der Mineralphasen beträgt bis zu 0.4 mm. Bis zu 1.2 mm große Plagioklas-Porphyroblasten liegen häufig in den Quarzbändern, die parallel zur Foliation liegen. Bei einigen Plagioklas-Körnern ist eine beginnende Serizitisierung zu verzeichnen. In der Matrix sind jedoch auch kleinere Plagioklas-Körner enthalten, die in der Größenordnung von 0.15 bis 0.5 mm liegen und zum Teil deutlich ausgeprägte Verzwilligung nach dem Albit-Gesetz zeigen. Quarz bildet Aggregate aus Einzelkörnern die in Form von Quarzbändern mit Polygonalgefüge weite Bereiche des Schliffes einnehmen und parallel zur Foliation liegen. Die Einzelkörner zeigen undulöse Auslöschung. In dem Schliff sind weiterhin die Phasen Rutil und Ilmenit in der Matrix enthalten, Ilmenit auch als Einschlußphase in den Granaten. Der Chemismus der beiden Granate aus Abb. 2-15 und Abb. 2-16 ist im Kapitel 5 Mineralchemie beschrieben. Abb. 2-17: Granat wächst auf Kosten von Biotit in der Probe 60. 2.2.9 Zusammenfassung Die Schliffe stammen aus drei verschiedenen Einheiten, den pelitischen Kernschiefern, dem Birgi Metagranit und den migmatitischen Gneisen. Der auffälligste Unterschied zwischen den drei Einheiten ist der Habitus der Granate und das Vorkommen von Kyanit in den pelitischen Kernschiefern und von Sillimanit in den migmatitischen Gneisen. Während die Granate in den pelitischen Kernschiefern einen idioblastischen Habitus aufweisen und im Falle der Probe 131 aus zwei Generationen bestehen, ist der Habitus der Granate in den migmatitischen Gneisen skelettär ausgeprägt. In der Probe 60 der migmatitischen Gneise sind zwei Granatindividuen vorhanden, bei denen sich ein skelettärer Anwachssaum (Grt 2) um einen idioblastischen Kern (Grt 1) gebildet hat (Abb. 2-15). Die Granate im Birgi Metagranit weisen ebenfalls ein skelettäres Wachstum auf, sind koronar auf Biotit gewachsen und sind zum größten Teil wesentlich kleiner als die Granate in den Kernschiefern und in den migmatitischen Gneisen. In den migmatitischen Gneisen sind die Alumosilikate durchgehend als fibrolithischer Sillimanit ausgeprägt, in den Kernschiefern jedoch als Kyanit. Alumosilikate sind im Birgi Metagranit nicht enthalten. Staurolith kommt nur in den pelitischen Kernschiefern vor und zwar in den Schliffen 129, 131 und 88. In allen Schliffen sind weiterhin Plagioklas, Biotit und Hellglimmer enthalten, wobei diese Phasen im Birgi Metagranit magmatischen Ursprungs sind. In den migmatitischen Gneisen sind die Hellglimmer erst während der D3-Extension entstanden, während in den pelitischen Kernschiefern die Hellglimmer schon während D2 existierten. In der Probe 58 sind zudem nur sehr wenige Hellglimmerindividuen enthalten. Als Einschlußmineral existiert jedoch ein Hellglimmerindividuum in einem Granat in der Probe 58, ein Hinweis darauf, daß in den migmatitischen Gneisen Hellglimmer vor dem Granatwachstum existiert haben muß. Weiterhin sind die Phasen Rutil und Ilmenit in den pelitischen Kernschiefern und im migmatitischen Gneis vorhanden, jedoch nicht im Birgi Metagranit. Quarz ist hingegen in allen Schliffen vorhanden und bildet in den pelitischen Kernschiefern und den migmatitischen Gneisen zum Teil ausgedehnte Quarzpflaster, die mit den Glimmern zusammen die Foliation in den Gesteinen prägen. |
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