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Eilige Zusammenfassung zum Darwin - Jahr?
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Kutschera gehört zu den "realen" Wissenschaftlern, die naturwissenschaftlich gewonnene Erkenntnisse und das Faktenwissen zur Evolution in populärwissenschaftlichen Büchern weiterzugeben suchen. In einer Zeit, wo in Einzelstaaten der USA immer wieder Versuche unternommen werden, den Unterricht an Schulkindern mit diesem (teils offensichtlichen) Wissen gesetzlich zu untersagen, wo selbst hier im Rezensentenbereich gezielt abfällige Bemerkungen und aberwitzig verdrehte Argumente aufgeworfen werden, lobt es den Autoren, zur Unterrichtung breiter Bevölkerungsschichten einmal die tatsächlichen Fakten zusammenzutragen, die sich seit 150 Jahren Darwin auf der Grundlage von dessen Entdeckungen ergeben haben. Das Ansinnen verdient ganz viele Sterne. Neben den in anderen Rezensionen hier positiv angemerkten Dingen finde ich aber die Durchführung des Werkes nicht sehr gelungen. Darwins Schaffen und das mehrerer anderer grundlegender Begründer der Evolutionswissenschaften und dann die Themen wie Selektion, Tatsachen und Theorien, Design ohne intelligenten Planer, Erdgeschichte, Alter der Erde... das ist schon ein erheblicher Bogen, der da gespannt wird. Wenn dabei auch stets das Ziel verfolgt wird, zu zeigen, was Darwin nicht wissen konnte, bleibt doch gerade Platz, um gewisse Themen nur anzusprechen.
Viele Male wird auf folgende Kapitel verwiesen, das lässt alles eine Struktur vermissen, wie will man so Zusammenhänge klar darstellen? Der Text enthält im Lesefluss unzählige Klammern mit immer wiederholten Jahresangaben, z.B. mit Darwins Eckdaten, bis zur Unleserlichkeit - und das, obwohl doch wenig Platz für das zu Beschreibende vorgegeben zu sein schien. Auch wiederholen sich einige Aussagen in unterschiedlichen Kapiteln, oft dreimal, wie das "unintelligente Zahndesign" von Elefanten. Da hätte man den Platz nutzen und darauf hinweisen können, dass auch andere Pflanzenfresser, wie die ganz alltäglichen Pferde, kein "unintelligentes", sondern ein eher sehr "intelligentes", sprich: genau an die Umgebung, in der die Tiere sich in langen Zeiträumen entwickelten, angepasstes Gebiss verfügen, dessen Zähne die Abnutzung beim Kauen harter Nahrung durch ständiges Nachschieben aus den Zahnfächern ausgleichen. Wenn die Zähne am Ende ihrer Länge angekommen sind, verlieren die Gebisse allerdings noch die letzten verbliebenen Stummel, können fortan nicht mehr kauen und müssen in der freien Natur verhungern. Vielleicht werden sie, dermaßen geschwächt, vorher auch Opfer von Raubtieren und nähren diese.
Gut wäre es gewesen, grundsätzlich das Denken zu fördern, dass es in der Natur kein Design gibt, das ein Lebewesen sich wie im Einkaufsladen aussuchen kann, selbst wenn es mit dem Bewusstsein ausgestattet wäre, zu erkennen, welche bestimmte Eigenschaft ihm fehlt, um diese flugs zu entwickeln. Jedes Lebewesen muss zeitlebens mit der Ausstattung zurecht kommen, die ihm zur Verfügung steht und wenn es damit weiterleben und Nachkommen in die Welt setzen kann, dann diese auch.
Während die ersten 230 Seiten nach ganz gutem geschichtlichen Anfang (wie andere Bücher auch) also, wie oben beschrieben, zeitweilig repetierend, zeitweilig Dinge nur ansprechend, so vor sich hin plätschern, beginnt dann ein zweites Buch, dessen Tempo und Inhalte merklich anziehen, weil dann ja nur noch neunzig Seiten übrig sind, schließlich am Ende der Argumentationskette aus Sybiogenese und molekulare Archäologie des Genoms das zugegeben interessante Synade - Modell vorzustellen. Bei der DNA wirft der Autor kurz mit Fachbegriffen um sich. Um hier Zusammenhänge darzustellen, wären ein paar Grafiken für Laien erhellender gewesen. Für Leser mit Vorwissen ist der vorgestellte Inhalt ein wenig zu dünn. Immerhin wird das Buch hier sogar spannend, weil es entlang der Argumentationskette auf ein offensichtliches Ziel zusteuert.
Diese Spannung und Übersicht fehlt dem offenbar schnell zusammengestellten Gesamt - Sammelsurium ansonsten, deswegen glaube ich nicht, dass es Dr. Kutschera gelungen ist, einer breiten Leserschaft das moderne Theoriensystem auf interessante Art näher zu bringen. Leider.
So geht er auch jeglichem Konfliktstoff aus dem Wege, den gewöhnlich auch Schlüsse aus belegten Tatsachen bergen. Schließlich sind die Modelle und das Wissen im stetigen Wachsen begriffen. Zu oft haben Kreationisten bei gewissen Widersprüchen schon eingehakt und sie aus ihrer Sicht interpretiert. Aber deswegen auf eine Diskussion (bis auf ein paar olle Karamellen) überwiegend zu verzichten, lässt keine ebenfalls Spannung aufkommen.
Eine Rezension von BOE >
vom 21. Juni 2010 |