Physiologus: Griech. /Dt.: Griechisch / Deutsch
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Wundersames aus der Tierwelt
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(REAL NAME)    Rezension bezieht sich auf: Physiologus: Griech. /Dt.: Griechisch / Deutsch (Taschenbuch) Um die Mitte des zweiten Jahrhunderts verfasste ein uns unbekannter Autor, der vermutlich aus Alexandria stammte, die wundersamen Geschichten über Tiere, Pflanzen, Mineralien und Fabelwesen. Das Werk wurde unter dem Namen 'Physiologus' (Naturkenner oder Naturforscher) bekannt.

Der Titel kann leicht in die Irre führen, denn der Physiologus bemüht sich nicht um eine sachliche, objektive Naturbeschreibung, sondern deutet das Verhalten der Tiere und die Eigenschaften der Natur im religiösen Sinne. Otto Schönberger, der Herausgeber der zweisprachigen Reclam Ausgabe, spricht von einem "neuartigen und eigenständigen Werk, ein Natur-Wunder-Buch mit heilsgeschichtlicher Deutung ... Für den Physiologus sind die Welt und ihre Erscheinungen sinnvoll in Bezug auf die religiöse Wahrheit. Neben der Schrift gibt es eine zweite Offenbarung, das Buch der Natur, die von Gott im Hinblick auf das Heilsgeschehenzeichenhaft geschaffen ist".

Heute längst in Vergessenheit geraten, war der 'Physiologus' im Altertum bis zum Beginn der Neuzeit ein "Buch des Volkes" und wurde gern gelesen und in viele Sprachen übersetzt. Nur die Bibel und der Alexanderroman fanden im Abendland eine weitere Verbreitung. Die frühen Kirchenväter benutzen das Werk als Quelle für ihre eigenen Schriften und den Gläubigen waren die Wunder- und Sensationsgeschichten Kurzweil und Erbauung.

Er verwundert nicht, dass der Physiologus den Löwen, den König der Tiere, der Macht und Stärke repräsentiert, mit der Macht Gottes vergleicht. Auch der Diamant, der sogar nachts leuchtet und dessen Härte alle Mineralien übertrifft, ist dem Physiologus ein Sinnbild für Christus. Er "richtet alle, wird aber selbst von niemand gerichtet".

Eine Warnung an alle Gläubigen, nicht vom Dogma der Kirche abzufallen, zeigt das Beispiel des Walfisches. "Es gibt ein Ungeheuer im Meer, das Walfisch heißt". Mit Duft und Wohlgeruch lockt der Wal die kleinen Fische an, reißt sein Maul auf, verschlingt sie und taucht ab in die Tiefe. "So ködert auch der Teufel und die Irrlehrer mit rechtschaffen klingenden Worten, die Wohlgerüche zu sein scheinen, die Törichten und geistig Unreifen ...".

Die Schlange ist nicht, wie man vermuten könnte, ein Zeichen des Bösen. Das Abstreifen der alten Schlangenhaut deutet der Physiologus positiv und fordert den Menschen auf, aus der alten Haut zu schlüpfen und die Bosheit abzulegen. Wie sich die Schlange durch die Enge windelt, so soll sich auch der Mensch durch Fasten "verschmälern".

Auch der Adler ist ein Symbol für Erneuerung. Wenn der stolze Vogel der Sonne zu nah kommt und sein Gefieder verbrennt, taucht er in die Quelle ab, um es zu erneuern. "In gleicher Weise sollst auch du, o Mensch, wenn du noch das Gewand des alten Menschen trägst und die Augen deines Herzens trübe sind, die geistliche Quelle aufsuchen (die Taufe)".

Die folgende Geschichte über der Entstehung der Perle könnte auch aus einem Märchen stammen: "Es gibt eine Muschel im Meer, Auster genannt. Sie steigt aber in der ersten Morgenfrühe aus der Meerestiefe empor, und die Muschel öffnet ihren Mund und trinkt den Tau des Himmels und den Strahl von Sonne, Mond und Sternen und bildet die Perle aus dem Licht der Himmelsgestirne."

Fazit: Auch im Zeitalter der Wissenschaften haben die Geschichten des Physiologus nicht an Glanz verloren.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 20. November 2011
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