Akira Kurosawa's Das Schloß im Spinnwebwald
von Isuzu Yamada


 
Meistwerk unter Vorbehalt
• • • • •   (bewertet mit 3 von 5 Punkten)

Darf man einem Klassiker der Filmgeschichte in einer schnöden Rezension tatsächlich 3 Sterne antun? Ich gebe zu, ich habe mir diese Frage gestellt, denn Akira Kurosawas Film ist - unter Ignorierung gewisser Aspekte - ein düsteres Machwerk über den Macbeth-Stoff. Wer Interesse an der Kultur der Samurai hat, dürfte ein wahre Freude mit diesem Film haben - und Filmwissenschaftler, ob seiner technischen Eleganz, ohnehin!
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>Mein Background ist ein anderer. Ich wollte wissen, wie sich die mediale Verschiebung des vielleichten besten Shakespeare-Dramas ins Filmische gibt und welche Geheimnisse sie dem Text entlockt. Wenn auch der Titel ein anderer ist, so darf, nein, muss sich diese filmische Adaption dennoch einem Vergleich zur Bühnenfassung hingeben.
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>Dazu nun einige Punkte. Erstens einmal die Texttreue, die de facto gleich Null ist. Erwarten Sie nicht Shakespeare, denn Shakespeares Dramen leben - nicht nur, aber zu einem Großteil - von der so genannten Wortkulisse; der Fähigkeit mittels einer gewaltigen Suggestionskraft der Sprache, Geschehnisse zu schildern. Ein Film, der sich dem verweigert, gibt leider schon a priori einiges auf, was zu einer Erhellung des Stoffes beiführen könnte.
>Wie dem auch sei, Texttreue ist nicht alles, man kann sie verschmerzen, wenn vielleicht der Film mehr über die Psychologie verrät. Worum geht es in Macbeth? Um Ehrgeiz und Machtstreben? Um das Verderben, was dem blüht, der sich - wider besseres Wissen - vom rechten Weg abbringen lässt? Um eine negative Selbstverwirklichung, an deren Ende der Tod steht? Gewiss, darum geht es. Und was macht Kurosawa, er nimmt sich diese psychologische Deutung heraus und verpackt sie als Moral in seine Samurai-Geschichte, stellt sie gar noch einmal überdeutlich ans Ende des Films.
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>Das ist ein wenig dürftig und fördert nichts Neues zutage. Hier ist der Polanski-Film um Längen besser, deutet er doch in Nebenfiguren einen größeren Kreislauf der Geschehnisse an.
>Was zu loben bleibt, ist Kurosawas düstere Atmosphäre, was bei heutigem Stand der Technik in Anbetracht dieses Schwarzweißfilms voll und ganz überzeugt. Ob man mit technischer Perfektion alleine dem Macbeth-Stoff auch nur annäherend gerecht wird, darf allerdings gefragt werden.
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Eine Rezension von A. Wolf Wiesbaden
vom 26. August 2006
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